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  • Thomas Grohmann

Lac du Der - Chantecoq

Aktualisiert: 5. Dez. 2023

Wohin die Kraniche ziehen (2)



Ein See für die Menschen und für die Vögel


Nachdem die Kraniche die Taunusregion überflogen haben, liegt der erste große und bedeutende Rastplatz für die Tiere im Herzen der südlichen, der sog. feuchten Champagne, am Lac du Der-Chantecoq.




Der etwa 48qkm große Stausee mit seinen stark gegliederten Uferbereichen und einer Uferlänge von 77km ist das größte künstliche Gewässer Frankreichs und reguliert den Wasserfluß der Marne und im weiteren Verlauf der Seine. Diese Funktion des Sees führt dazu, dass es im Lauf des Jahres sehr unterschiedliche Wasserstände gibt: Während des Winters füllt sich der See, verhindert Hochwasser auf den Flüssen und der Wasserstand erreicht im Frühjahr sein höchstes Niveau. Im Verlauf des Sommers wird ein Großteil des gestauten Wassers zur Erhaltung der Schiffbarkeit von Marne und Seine wieder abgegeben. Im Herbst hat der See dadurch meist einen sehr niedrigen Wasserstand, Sandbänke und Wattflächen kommen hervor. Das ganze ähnelt dann eher einem Mündungsgebiet und bietet Wattvögeln, vielen Zugvögeln und ornithologischen Wintergästen ein passendes und geschütztes Habitat. Und das Gebiet liegt genau auf der westeuropäischen Zugroute der Kraniche - zwei Gründe also, warum der 1974 geflutete Stausee schnell von den Tieren als Rast- und zunehmend auch als Überwinterungsstätte angenommen wurde. Darüberhinaus hat sich mittlerweile eine hohe Artenvielfalt in der Avifauna am See entwickelt.





Die Anzahl der rastenden Kraniche beim Herbstzug in den Süden schwankt stark und ist naturgemäß witterungsabhängig. Typischerweise sind Ende Oktober/Anfang November 50-80.000 Kraniche zeitgleich am See; 2019 gab es einen Spitzenwert mit über 260.000 Tieren, 2022 war wieder eher typisch (85.000). Während ein Teil der Vögel ihre lange Reise nach einem kurzen Zwischenstopp von nur wenigen Stunden fortsetzt, ziehen es viele andere vor, wochenlang dort zu bleiben, sofern sie nicht durch ungünstige Wetterbedingungen (Schnee, Frost) gezwungen sind, weiter zu fliegen. Seit einigen Jahren zeigt sich eine - ebenfalls schwankende - Tendenz, dass die Kraniche in größerer Zahl am Lac du Der überwintern (ca. 11.000 Individuen 2022, leicht rückläufig ggü. 2021). Die Überwinterungsentwicklung für Kraniche in ganz Frankreich zeigt in den letzten 40 Jahren trotz aller Schwankungen eine zunehmende Tendenz:


(Quelle: La Grue Cendrée en France. Migration et hivernage Saison 2022-2023. LPO Champagne-Ardenne)





Auch als Wassersport- und Angelparadies ist der See gut angenommen worden. Dass sich Menschen und Tiere gleichermaßen in der ansonsten dünn besiedelten Gegend wohlfühlen können liegt daran, dass der See in verschiedene Nutzungszonen aufgeteilt wurde und alle „Nutzer“ auf ihre Kosten kommen. Ein kleinerer Teil ist für den Menschen komplett gesperrt und dient den Vögeln als Ruhebereich. Dennoch bieten die Staumauern, der Deich und zig Beobachtungsstationen im zugänglichen Bereich des Sees ausreichende Möglichkeiten, die Tiere als Individuen oder als Gruppen zu bewundern.



Die Landschaft rund um den See ist geprägt durch ein komplexes Mosaik aus Wäldern (meist Laub- oder Mischwälder mit hohen Eichenbeständen), die sich mit großen Anbauflächen und Weiden abwechseln. Eine gute Grundlage also für ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Kraniche, die es besonders auf die Restbestände der Maisfelder abgesehen haben.




Die stark landwirtschaftliche Prägung der Champagne mit überwiegend Ackerfläche war letztlich auch namensgebend für die Region, abgeleitet von / Champs / Campus / Feld. Das namensgebende Der im Lac du Der kommt vom keltischen Wort für Eiche, der wichtigste Baum für den Hausbau und die typischen Fachwerk-Kirchen der Region. Auffällig sind das westeuropäische Fachwerk mit schmalen hohen Fächern (im Gegensatz zu den beinahe quadratischen des mitteleuropäischen Fachwerks) und die geringe Dachneigung. Chantecoq war eines der drei überfluteten ehemaligen Dörfer, die im heutigen Seegebiet lagen.



Die Bildergalerie zum Lac du Der gibt es hier.



Quellen


  • La Grue Cendrée, LPO Champagne-Ardenne

  • Field Guide to the Birds of the Lac du Der, Bernard de WETTER

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