• Thomas Grohmann

Vogelmigration und andere Déjà-vus

Aktualisiert: 21. Mai



Ab Februar 2022 konnten wir endlich das Fotoprojekt über die Migration der Greife an der Straße von Gibraltar fortsetzen. Bekanntlich musste das Projekt im März 2020 wegen der beginnenden Corona-Pandemie abgebrochen werden, Blogeintrag siehe hier.


Darüber hinaus dienten erneute Aufenthalte in den spanischen Nationalparks Monfrague und Doñana der Vervollständigung des „Birding Spot“-Portfolios. Teils um bestimmte Spezies zu ergänzen, teils um Bekanntes mit besonderen Lichtsituationen abzubilden. Und natürlich sollten auch astrofotografische Aufnahmen in der mit dunklem Himmel gesegneten Extremadura nicht zu kurz kommen. Leider wurde die Reise durch den Kriegsausbruch in der Ukraine überschattet. Und auch die Wettersituation trübte sich im Verlauf durch fast stationär liegende Tiefdruckgebiete über der iberischen Halbinsel ein.



Im Monfrague Nationalpark gelang es, Blaumerle, Schwarzstorch und den seltenen Gleitaar etwas näher einzufangen:




Mehr Aufnahmen von dort? Voilà!


In Monfrague entstand auch ein Gänsegeier-Special mit Anflug-Aufnahmen bei Sonnenuntergang an die Schlafplätze und einige Szenen am Rinderkadaver, den wir zufälligerweise nahe einer Autobahn entdeckten:




Das Gänsegeier-Special.


Das Making of:



„Der Hexenkopf-Nebel fehlt“ kommentierte ein Vereinsmitglied der Sternwarte Hofheim die vor zwei Jahren begonnene Langzeitbelichtung der Gas- und Staubkonzentrationen im Bereich der Gürtelsterne des Sternbilds Orion. Die Zielsetzung war damit klar: Das Bild sollte um diesen Reflexionsnebel, der durch Rigel, den hellsten Stern im Sternbild Orion zum Leuchten angeregt wird, ergänzt werden. Das fehlende Element konnte zumindest in zwei Nächten belichtet und die beiden Teile zu einem Mosaik zusammengefügt werden. 472x120 Sekunden (= gut 15 Stunden) sind bislang kumuliert zusammengekommen.



Auch in Doñana (Schwerpunkt El Rocío, nördliche Doñana) gab es wieder interessante Sichtungen (u.a. Kamm-Bläßhuhn, Purpurhuhn, Löffler):




Noch mehr Aufnahmen aus dem Doñana Nationalpark.


Auffällig viele internationale Vogelfreunde und Bird-Watcher zeigten sich diesmal an den Beobachtungspunkten zwischen Tarifa und Algeciras an der Straße von Gibraltar, um den Frühlingsvogelzug über die Meerenge nach Norden zu erleben und Tierzählungen vorzunehmen. Sogar ein ARD-Korrespondent war mehrtägig dort, um die Faszination der Birdwatcher einzufangen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/vogelzug-gibraltar-vogelbeobachtung-100.html


Um eine Vorstellung über die Anzahl der überfliegenden Vögel zu vermitteln, sei beispielhaft der 12. März 2022, der Tag nach unserer Ankunft genannt. Es war tagsüber ein schöner Tag mit Westwind, der auch thermisch die Vogelmigration begünstigte. Ein engagierter lokaler Forscher und Birdwatcher zählte mit seinem Team u.a. ca. 1300 Schlangenadler, 100 Schwarzstörche, 10 Schmutzgeier, 3200 Schwarzmilane - laut Auskunft der Tag mit den bislang meisten Überflügen in diesem Jahr. Nur wenige Tage später erfassten niederländische Hobbyornithologen an verschiedenen Standorten Massenüberflüge von mehreren tausend Schwarzmilanen und hunderten von Zwergadler, die sich wegen des zwischenzeitlich regnerischen und stürmischen Wetters auf der marokkanischen Seite der Meerenge gesammelt hatten.





Fotografische und videografische Schwerpunkte unserer Arbeit sollten Videoclips der ankommenden Vögel werden, die die Thermik nutzen, um sich nach dem Gleitzug über die Meerenge wieder auf normale Flughöhe zu schrauben. Hierzu mehr, sobald das Material ausgewertet und geschnitten wurde. Einige Einzel-Aufnahmen sind schon online.



Auf der Rückreise ergab sich die Gelegenheit, auf der Hochebene um Lagarde-Apt in der Provence ein weiteres Langzeitprojekt anzugehen: Den sogenannten galaktischen Cirrus mit seinen filigranen Strukturen sichtbar zu machen. Auf englisch auch IFN, Integrated Flux Nebula genannt, handelt es sich bei dem Cirrus um feine Staubwolken unserer Milchstraße, die „integral“ von ihr beleuchtet werden und als Vordergrundobjekte z.B. das Licht anderer weit entfernter Galaxien beeinflussen.