• Thomas Grohmann

Dunkle Inseln im Lichtermeer: Sternenparks in Deutschland

Aktualisiert: 1. Nov.

Es werde Licht ...

Wir machten uns Licht,

weil wir mehr sehen wollten,

jetzt sehen wir nicht,

was wir sehen sollten.


(Aus einem Gedicht von Volker Jordan, abgedruckt im VdS Journal für Astronomie Nr. 82)

Die Reise zu dunklen Himmeln führte uns in den heißen und trockenen Sommermonaten Juli und August in zwei Sternenparks auf heimischem Territorium, zu zwei kleinen dunklen Inseln im Lichtermeer.



Zunächst ging es im Juli in den Westen, zum hellsten, d.h. den am meisten von künstlichem Licht umgebenen deutschen Park, dem Sternenpark Nationalpark Eifel. In der Nordeifel gelegen, nahe der belgischen Grenze, und eingerahmt von den Lichtzentren Brüssel/Liege sowie Köln/Aachen waren die Erwartungen an einen wirklich dunklen Himmel nicht all zu hoch. Ich war dennoch überrascht, am Weißen Stein nahe Udenbreth auf knapp 700m Höhe kurz nach den sogenannten weißen Juni-Nächten Werte für die Himmelshelligkeit von 21,11 bis 21,19 mag/arcsec² messen zu können. Das liegt vielleicht an dem Umstand, dass die Region wenig besiedelt ist und kaum auffallende lokale Lichtquellen hat. Zur Einordnung: Das maximal an natürlicher Dunkelheit Erreichbare liegt bei einer Flächenhelligkeit des Himmelshintergrunds von etwa 22 mag/arcsec² (Magnituden pro Quadratbogensekunde). Mit einem handlichen Messgerät, einem Sky Quality Meter, läßt sich das objektiv feststellen.


Der Sternenpark war 2014 zunächst vorläufig als International Dark Sky Park anerkannt worden und erhielt 2019 die endgültige Anerkennung. Jetzt wird auf die Auszeichnung als International Dark Sky Reserve hingearbeitet, der nächsthöheren Anerkennungsstufe. Die Qualifizierungen als Park oder Reserve werden von der International Dark Sky Association (IDA) zertifiziert, ursprünglich einem Zusammenschluss amerikanischer Astronomen im gemeinsamen Bemühungen zur Begrenzung der Lichtverschmutzung. Die regionale Tourismusverwaltung in der Eifel erkennt immer mehr den Wert eines dunklen Himmels auch für Vermarktungszwecke. Zudem werden engagierte Astronomen nicht müde, bei den Kommunen und allen Betroffenen für den Erhalt dieses Gutes zu werben und Anregungen zur Verbesserung zu geben.


Der Blick vom Weißen Stein Richtung Südwest über den Naturpark Hohes Venn-Eifel hinweg mit dem markanten Aussichtsturm im Vordergrund.


Das ist der Blick Richtung Nordosten mit (!) aufgehendem Mond. Erstaunlich, welche Details dennoch in der Milchstraße ab einer gewissen Höhe auszumachen sind. Und obwohl ich mich im „hellsten“ Sternenpark Deutschlands befunden habe, brauchte ein Vergleich mit Namibias Milchstraße nicht gescheut zu werden.


Planetenreigen mit Aussichtsplattform und Mond am frühen Morgen.


Aber auch für Vogelfreunde kann der Nationalpark einiges bieten. Weitere Bilder aus der Eifel gibt es hier.



Im August reisten wir dann in den Osten. Ein Vortragsbesucher fragte mich einmal, wie es sich denn mit der Rhön verhält, da müsse es doch auch recht dunkel sein. In der Tat hat die IDA bereits 2014 das seit über 30 Jahren bestehende Biosphärenreservat Rhön als Dark Sky Reserve anerkannt, ein geschütztes Gebiet also mit besonders dunklen Bereichen, das analog der UNESCO Biosphärenreservate mit einer Kern- und umgebenden Pufferzonen strukturiert ist.



Die Koordination der Schutzmaßnahmen und Erfüllung der IDA-Auflagen über drei Bundesländer, sechs Landkreise und mehrere öffentliche und private Träger hinweg verdient besondere Anerkennung. Neben einer angemessenen Beleuchtungsbegrenzung gehört zu den Auflagen etwa ein Managementplan, der Aspekte wie die Sicherstellung von Kultur, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und die Bereitstellung von Beobachtungsmöglichkeiten vorsieht. Mit Sternenführungen durch eigens ausgebildete Sternenführer*innen, Sternenparkwochen, dem Bau und der Pflege von Himmelsschauplätzen und sogar von Beobachtungsplattformen für ernsthafte „Sternegucker“ sorgen viele engagierte Menschen dafür, dass das Konzept lebt und umgesetzt wird. In vielerlei Hinsicht hat das gemeinsame Wirken im Sternenpark Rhön modellhafte Züge für andere nächtliche Lichtschutzgebiete in Deutschland.




In einem der dunkelsten Bereiche des Sternenparks, auf dem flachen Gipfelplateau der für astronomische Beobachtungen begünstigten Hohen Geba, hat die Gemeinde Rhönblick mehrere Beobachtungsplattformen eingerichtet. Speziell für Hobbyastronomen - auch solche mit größeren Teleskopen - steht dort die Infrastruktur für Astrofotografie und Himmelsbeobachtung zur Verfügung. Damit werden gleichzeitig die Besucherströme gelenkt und sensible Bereiche etwa der Langen Rhön geschützt. Auf dem Gebaberg hat man in guten Nächten Helligkeitswerte von 21,65 mag/acsec² gemessen. Während unserer Anwesenheit um den Augustneumond herum bin ich auf Werte von 21,10 bis 21,25 mag/arcsec² gekommen.


Blick vom Gipfelplateau der Hohen Geba Richtung Südwesten

Zu unserem ersten Besuch auf der Hohen Geba hatte ich für sog. Deep Sky Objekte eine gut transportierbare astronomische Montierung - ein Gerät, das die Erddrehung ausgleicht - mitgebracht sowie ein Linsenteleskop mit knapp 500mm Brennweite. Der Aufbau zur Bildgewinnung war eher experimenteller Natur. Neben dem Sommerparadeobjekt, dem Nordamerikanebel NGC7000, mussten aus technischen Gründen (und, zugegeben, wegen eines gesunden Schlafes :-) Objekte gewählt werden, die ein Durchlaufen der Montierung während der Nacht sicherstellten. Auf der Hohen Geba mit guter Horizontsicht boten sich hierfür das sog. Herz- und Seelennebelpärchen IC1805 und 1848 an. Alle Bilder bestehen aus einer Kombination von Dualband-Filter- und ungefilterten Farbsensoraufnahmen, um die Nebelstrukturen dieser aktiven Sternentstehungsregionen besonders hervorzuheben.



Der Herznebel wird gerne von Astrofotografen ihren Partnern gewidmet - als Ausgleich für die vielen Stunden, die nicht mit dem Partner verbracht sondern für die Beobachtung und Bearbeitung der Bilder aufgewendet werden. Das möchte ich hiermit auch gerne tun ;-)



Was es sonst noch in der Rhön zu entdecken gab, ist in diesem Album zusammengestellt.