• Thomas Grohmann

Extremadura III - Frühlingshaftes

Aktualisiert: 21. Dez 2019


Der in der spanischen Extremadura gelegene Nationalpark Monfragüe ist nicht nur Europäisches Vogelschutzgebiet (Blogbeitrag Wieder unter Geiern) und UNESCO-Lichtschutzgebiet (Blogbeitrag Himmlisches), sondern seit 2003 in einem erweiterten Bereich auch Biosphärenreservat. Kennzeichnend für das Reservat und große Teile der Extremadura sind Weideflächen mit ausgedehnten Stein- und Korkeichenbeständen, die als historisches Musterbeispiel naturnaher Kulturlandschaft gelten. In diesen "Dehesas" genannten Baum-Savannen stehen die Bäume oft weit auseinander und es gibt bei Bewirtschaftung wenig Unterwuchs. Dadurch haben sie einen fast parkähnlichen Charakter. Bis zum heutigen Tag erfolgt die Nutzung der Dehesas als Weidefläche für das iberische Schwein und andere Weidetiere (Rinder, Schafe, Ziegen). Auch Rotwild wird dort gehalten, wie wir gesehen haben. Darüber hinaus bieten die Dehesas optimale Brut- und Lebensbedingungen für Mönchsgeier, spanische Kaiseradler, Groß- und Zwergtrappen sowie für viele andere Vogelarten, die früher auch bei uns heimisch waren. Korbblütler und Schopflavendel färben in den Frühlingsmonaten die Weiden weiß, blau, violett und gelb und verbreiten einen würzigen Duft.

Im benachbarten Valle del Jerte blühen im März für etwa 10 Tage über zwei Millionen Kirschbäume und ziehen sich kilometerweit die terrassierten Berghänge hinauf. Eine Attraktion für Besucher, die mit vielen Festen gefeiert wird.

Unser spezielles Interesse galt aber zwei Geierarten, die wir bei den letzten Besuchen nicht zu Gesicht bekamen: Der Mönchsgeier wollte sich uns nicht zeigen und der Schmutzgeier war noch nicht aus seinem nordafrikanischen Winterquartier zurückgekehrt.

Der Mönchsgeier ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,85 m der größte Habichtsverwandte im Nationalpark und verteilt auch schon einmal Hiebe, wenn ihm ein Gänsegeier zu nahe kommt. Normalerweise ziehen aber beide Spezies friedlich ihre Kreise nebeneinander. Ca. 340 Paare wurden 2014 in Monfragüe gezählt.

Der Schmutzgeier ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 m deutlich kleiner als die beiden anderen im Park vertretenen Geierarten. Mit etwa 30 gezählten Paaren im Jahr 2014 ist er auch weniger präsent und gerät zunehmend in Konkurrenz zu den mit ca. 650 im Nationalpark dominierenden Gänsegeierpaaren, die z.B. seine Nester besetzen.

Wo bleibt er denn nur wieder, wird sich das Schmutzgeierweibchen fragen...

Ah, da kommt er ja endlich...

Keine Angst, ich bin doch wieder bei dir...

Na aber hallo...

und tschüss...

Sehr häufig zu sehen ist der Rotmilan, obwohl zuletzt nur 14 Brutpaare auf dem Nationalparkgelände in Monfragüe gezählt wurden.

Auch einen Schlangenadler konnten wir auf der Jagd und bei der Beuteergreifung beobachten.

Da in die Zeit unseres Aufenthalts der Frühlingsvollmond fiel, konnten aus astronomischer Sicht nur helle Objekte und visuelle Effekte, wie etwa der "Goldene Henkel", beobachtet und fotografiert werden.

Bei einem Mondalter von etwa 10 Tagen werden allmonatlich über einen Zeitraum von einigen Stunden bereits die Spitzen des noch im Dunkeln liegenden Montes Jura beleuchtet. Auch die vorgelagerte Ebene des Sinus Iridum (Regenbogenbucht) liegt teilweise noch im Dunkeln und so bildet das Ensemble den Eindruck eines Griffs, den "Goldenen Henkel" (vgl. nachstehende Ausschnittsvergrößerung).

Die außergewöhnlich guten atmosphärischen Bedingungen erlaubten eine präzise Scharfstellung und machten es möglich, dieses Bild aus einzigen Aufnahme zu gewinnen. Unter weniger günstigen Umständen müssen für die gleichen Bildinformationen mehrere Aufnahmen gemacht und zu einem Summenbild verrechnet werden.

Aber auch der Frühlingsvollmond war bei seinem Aufgang im und über dem Erdschattenbogen schön anzuschauen.

In den folgenden wenigen mondlosen Nachtstunden konnten wir von Aussichtspunkten im Nationalpark auch Messungen der Helligkeit des Himmelshintergrunds mit einem Sky Quality-Meter durchführen. Obwohl der Horizont nicht frei von Lichtglocken der umliegenden Gemeinden ist, wurden abseits der Milchstraße und des Zodiakallichts Richtung Norden oder Zenit Werte von bis zu 21,72 mag/arcsec² und milchstraßennah 21,30 mag/arcsec² gemessen. Atmosphärische Transparenz und Seeing waren jeweils hervorragend. Diese sehr guten Ergebnisse bestätigen die hohe Nachthimmelsqualität (geringe Lichtverschmutzung) in Monfragüe.


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